Ein chemisches Laboratorium in der Kiste (Helveticus 1956)

Anleitungen und Präsentationen von selber gebauten Baukästen

Moderator: suntri

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suntri
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Ein chemisches Laboratorium in der Kiste (Helveticus 1956)

Beitrag von suntri »

Ich habe lange, nein sehr lange nach dem Buch gesucht.
Ich hatte als Kind einige Helveticus Bücher und in einem dieser war eine Anleitung zum Bau eines Chemiebaukastens zu sehen. Leider erinnerte ich mich nicht mehr an den Jahrgang des Buches.
Nun nach Jahren des Suchens in Gebrauchtbücher Geschäften habe ich es Gestern gefunden.
Ein wahrer Leckerbissen. Der ganze Abschnitt ist im ee-wiki incl. den Bilder zu sehen:
http://www.rigert.com/ee-wiki/index.php ... boratorium

Es handelt sich um das Helveticus, Schweizer Jugendbuch Band 16 aus dem Jahre 1956. Seite 139.

Es muss ja nicht genau so nachgebaut werden doch als Idee ist es doch schon brauchbar, oder?

Viel Spass und Gruss
suntri
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helmut

Re: Ein chemisches Laboratorium in der Kiste (Helveticus 195

Beitrag von helmut »

Diese Abbildungen sehen sehr schön aus und sind als Eigenbau wohl sehr leicht zu realisieren.
Leider sind einige Teile wohl nur sehr bedingt zu gebrauchen.

Die Wäscheklammer kann nur sehr kleine Reagenzgläser fassen und der aus Draht selbst gebaute
Dreifuss dürfte ziemlich wackelig sein. Auch der aus einem Tintenglas aufgebaute Spiritusbrenner
dürfte nur bedingt Freude aufkomen lassen, der Körper ist etwas zu klein geraten.
Bei einer Füllmenge von vielleicht 15–20 ml (man darf ihn höchstens halb voll machen),
reicht er aber aus, um den Inhalt eines Reagenzglases zu erhitzen.

Das Stativ aus einem Holzstab mit eingebohrten Löchern ist auch bei A. Kemper:
"Chemisches Experimentierbuch", Union Verlag Stuttgart 1969 zu finden.
Ich habe mal ein Model – wie empfohlen – aus (Eichenholz) nachgebaut und war von seiner
Standfestigkeit sehr überrascht.
Allerdings kostete mich dieses Model mehr als ein Stativ aus dem Laden! (Materialkosten).
Bei Kemper werden selbst gebaute Klemmen aus Hartholz mit einer alten Uhrfeder vorgeschlagen,
die dann auch einen kleinen Kolben sicher halten.
Der Arbeitsaufwand ist aber enorm, weil das Metall schmiedetechnisch bearbeitet werden muss.
Der große Vorteil eines solchen Stativs ist neben der Standfestigkeit sein Gewicht
und das ist selbst bei Eichenholz sehr wenig.

Die in der Abbildung enthaltende Waage dürfte aber nur enttäuschen. Es gibt kein echtes Lager
und es bleibt das Problem geeigneter Gewichte:
Meine Empfehlung: bei Ebay werden manchmal so genannte Hornschalen-Handwaagen angeboten.
Diese wurden vor einigen Jahrzehnten noch in Apotheken verwendet und sehen so ähnlich wie
die Abbildung aus.
Ihre Emfindlichkeit beträgt bei 50 Gramm Tragkraft (das max. zu wägende Gewicht ist dann 25 g)
etwa 20 Milligramm, bei Einhaltung des damaligen Eichstandards mit entsprechenden Gewichten!
Nachbauten (Neuware!) dieser Waagen sind jedoch nicht geeignet.

Auf jeden Fall Danke für die Bilder und den Hinweis auf die Quelle.
mc71
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Re: Ein chemisches Laboratorium in der Kiste (Helveticus 195

Beitrag von mc71 »

helmut hat geschrieben:Die Wäscheklammer kann nur sehr kleine Reagenzgläser fassen und der aus Draht selbst gebaute
Dreifuss dürfte ziemlich wackelig sein.
Die Wäscheklammer dient ja nur als Feder; geklemmt wird zwischen den Verlängerungsbacken. Das Teil dürfte ungefähr die Abmessungen des Kosmos-Reagenzglas-Halters haben.

Beim Dreifuß kommt es sehr auf das verwendete Material an. Wenn altbrauchbares Laborgerät günstig beschaffbar ist (Internet-Flohmarkt sei dank) wäre es mir persönlich zu unsicher mich darauf zu verlassen, da die Biegestellen am Ring nicht unter Belastung nachgeben. Zu Zeiten jenes Buches (oder auch des 'Golden Book of Chemistry Experiments') mag das ganz anders ausgesehen haben.

Und für das Stativ bietet sich -IMHO- eine große Bodenfliese als Grundplatte, oder zumindest Beschwerung derselben an.
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helmut

Re: Ein chemisches Laboratorium in der Kiste, Helveticus 195

Beitrag von helmut »

mc71 hat geschrieben: Die Wäscheklammer dient ja nur als Feder; geklemmt wird zwischen den Verlängerungsbacken. Das Teil dürfte ungefähr die Abmessungen des Kosmos-Reagenzglas-Halters haben.
Das dachte ich zuerst auch, aber nach genauem Studium der Abbildungen liegt die Sache etwas anders! Was mich zuerst störte,
war die Verwendung einer Wäscheklammer aus Holz in der abgebildeten Ausführung. Es gibt sie m. W. nur in einer Größe und die ist recht klein.
Einige Autoren haben empfohlen das Holzteil etwas aufzubohren bzw. die Aushöhlung zu vergrößern, doch auch damit kann man ein
Standard-Reagenzglas (16 x 160 mm) praktisch nicht fassen – kleinere Gläser schon. Störend ist dabei der zu kurze Griff.

Bei der abgebildeten Modifikation soll jedoch ein Halter daraus hergestellt werden, der auch kleinere Kolben fassen soll
- jedenfalls steht es so ähnlich in der Beschreibung. (Ich konnte das Buch inzwischen ebenfalls auftreiben.)
So habe ich mich an einen kompletten Nachbau herangewagt. Leider finde ich augenblicklich die Wäscheklammern nicht,
so dass ich die komplette Klammer noch nicht zeigen kann.
Der Kasten, die Flaschengestelle, das Stativ und der Reagenzglasständer sind aber schon fertig.
Vergrößert man aber die Öffnung des Halters durch Verlängern der Klammer, so könnte es sein, dass die Federkraft der
Wäscheklammer nicht mehr ausreicht. Insofern ist eben nur ein Nachbau der Teile ausschlaggebend für ihre Verwendbarkeit.

Zum Aufbau der Waage und beim Dreifuß fehlen mir noch ein paar Teile. So ist zum Beispiel der empfohlene Eisendraht ein kleines Problem.
Wahrscheinlich handelte es sich um damals üblichen Zaundraht. Heute ist dieser jedoch fast nur noch Kunststoffummantelt aufzutreiben
und auch nur in großen Längen. Die 1.5 Meter, die man dazu braucht werden dadurch sehr teuer.
Mal sehen, ob ich irgendwo noch etwas Draht passender Stärke auftreiben kann.

Übrigens bisher hat mir der Nachbau sehr viel Spaß bereitet!
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suntri
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Re: Ein chemisches Laboratorium in der Kiste (Helveticus 195

Beitrag von suntri »

Sali Helmut

Ist ja super, dass du dich an den Nachbau gewagt hast. Bilder davon würden mich sehr interessieren.
Ev. baue ich das dann auch mal. (Zeit)
Betreffend den Wäscheklammern. Die Holzklammern sind eigentlich immer noch im Hanel.
Ich vermute jedoch, dass die Klammkraft der heutigen Klammern nicht denen von früher entspricht.
In Keller hat jedenfalls beine Frau einige hölzerne. Von denen hat sie nun immer weniger da diese
sensationell zum Basteln sind. :P

Betreffend dem Eisendraht. Das ist kein Problem. Im Baumarkt ist der in verschidenen Durchmesser erhältlich.
Meistens in kleinen Rollen ab 10 Meter. Genau richtig zum Basteln.

Weiterhin viel Erfolg uns lass mal was sehen. Ich freue mich.

Gruss suntri
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helmut

Re: Ein chemisches Laboratorium in der Kiste (Helveticus 195

Beitrag von helmut »

suntri hat geschrieben:Betreffend dem Eisendraht. Das ist kein Problem. Im Baumarkt ist der in verschiedenen Durchmesser erhältlich. Meistens in kleinen Rollen ab 10 Meter. Genau richtig zum Basteln.
Dort habe ich es auch versucht! Eisendraht von 4 mm Stärke dient als Spanndraht für Zäune! Ich konnte dort nur besagten Kunststoff ummantelten Draht finden. Es sind auch nicht etwa 10 m Rollen sondern 50 m Rollen. Verzinkter Eisendraht entsprechender Stärke wird zwar häufig bei uns noch in den Kommunen für Sportplätze, Schulen etc. verwendet, die ausführenden Firmen kaufen ihn wohl aber bestimmt nicht im Baumarkt und auch nicht in 10 m Rollen! eher 100 m oder länger. Dickerer Draht aus Stahl (6 mm) lässt sich aber nicht so einfach biegen und dünnerer Draht ( 2 mm) reicht höchstens für einen Tragering zum Filtrieren aus, nicht jedoch für einen Dreifuß!

Es geht mir bei diesem Projekt gerade um die Nachbaubarkeit und ich kann nur das Material nehmen was ich in meiner Region auch bekomme! Kunststoff ummantelter Draht mag für Gartenzäune Vorteile besitzen, für das Projekt ist er nicht brauchbar (auch ist der Drahtdurchmesser mit knapp 3,5 mm eher zu dünn). Gegen die andere Alternative (Kupferdraht) habe ich ebenfalls Bedenken, man müsste mindestes einen Draht von 16 ◻ mm benutzen. Kupferdraht ist heute aber besonders rein und zu weich ausgeformt (Elektrotechnik). Man kann dieses Material nicht unbedingt mit einem Draht vergleichen, der vor über 50 Jahren hergestellt wurde!

Bei der Kiste habe ich z. B. Fichtenleimholz verwendet, was dem Tannenholz im Helveticus schon sehr nahe kommt. Beim Stativ und der Grundplatte ebenfalls, während für die Flaschengestelle Bretter aus Kiefernholz verwendet wurden. (Gängiges Holz in einem Baumarkt). Auch die verwendeten Werkzeuge habe ich auf ein Mindestmaß beschränkt, denn im Grunde sollte der Kasten mit einfachem Werkzeug hergestellt werden können. Laubsägewerkzeug, Winkelmass und ein Fuchsschwanz zum Zusägen der Bretter reichen fast aus!
mc71
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Re: Ein chemisches Laboratorium in der Kiste (Helveticus 195

Beitrag von mc71 »

Sind wir in zeiten des Internet noch auf lokale Baumärkte angewisen? Kurzes fischen in der Bucht und bei den Amazonen ergab:

Wäscheklammern aus Holz, zweiteilig: standard 7,5 cm, XL 9,5 cm.
Wäscheklammer einteilig geschlitzt ('clothespin') 11 cm

(Anm.: Letztere taugen als Schlauchklemme - für den Gartenschlauch ;-) und statt der Drahtfeder-Wäscheklammer könnte man auch eine Schloßschraube mit Flügelmutter als Klemm-Element hernehmen, so wie eim 'richtigen' Stativmaterial)

Stahldraht in Stücken findet man beispielsweise als Rundstahl, V2A, 1,45m 5mm Durchmesser für 2,24 pro Stück- zzgl. 7,50 Versand.

(Anm^2: Das Golden Book of Chemistry Experiments bastelt 10 Zentimeter höhe Dreifüße und Reagenzglas-Stative aus Kleiderbügeldraht. Ich hoffe mal, im Amerika der 60er Jahre war das solideres Zeug als das, was man heute in Reinigungen verwendet *hust*)

Übrigens: Genau dieses Problem -daß Einzelteile anders als im Buche beschrieben nicht (mehr) leicht verfügbar oder für wenig Geld anzufertigen waren- hatte Fröhlich seinerzeit bewogen, seinen Lehrbüchern Materialsätzen anch Art der Metall- und Steinbaukästen beizugeben.
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Re: Ein chemisches Laboratorium in der Kiste (Helveticus 195

Beitrag von duckrider »

Ein wunderbarer Beitrag für mich als Baukastennostalgiker, vielen Dank!

Zum Stahldraht:
Ist ein Baustahlhändler in Eurer Nähe? Die nehmen zum Zusammenbinden und Ladungssichern ca. 5mm starken unbeschichteten Stahldraht. Wenn Ihr dort höflich nach 1-2m Abschnitt fragt, ich wette den kriegt Ihr u.U. sogar umsonst.

Viele Freude beim Nachbau!
Thomas
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Re: Ein chemisches Laboratorium in der Kiste (Helveticus 1956)

Beitrag von lydiaeule »

Also ich würde einfach zum nächstn Schlosser flattern und dort einen passenden Ring aus starkem Stahlblech fertigen lassen, mit Bohrungen für die Drahtbeine, evtl sogar schon passende Beine aus entsprechendem Draht dranschweißen lassen.
alternativ ab in den Baumarkt,Stalblech 1.5mm holen, Stahlnägel passender Länge und Stärke, etwas Lötpaste für Stahl sowie einen HSS-Bohrer holen. zuhause hinsetzen, dasaus dem Blech passig ausschneiden und bohren, dann die Nägel (gf biegen,) durchstecken und hartlöten. Die Stahlplatte zu schneiden gelingt im Übrigen wunderbar mit etwas O[sub]2[/sub] aus der Flasche (Schweißbedarf), dünnem Eisenrohr (z.B. Bremsleitung vom Schrottplatz) und einem Bunsenbrenner (Prinzip Sauerstofflanze).
Ob man das Resultat am Ende noch mit Ofenlack anmalt ist danach Geschmackssache.
Agressiv und feindselig, boshaft, manipulierend und hinterhältig, hämisch, überkritisch, herrschsüchtig und sinnlos brutal, das sind die Primärtugenden, die zusammengenommen Menschen vor allen anderen Spezies auszeichnen.
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